Diözesanmuseum
St. Afra

 

 

 

Kornhausgasse 3 - 5
86152 Augsburg
Telefon (0821) 3166-333

Öffnungszeiten
Dienstag bis Samstag 10 - 17 Uhr
Sonntag 14 - 17 Uhr
jeden ersten Freitag im Monat 10 - 21 Uhr

 
 
 

   

Lageplan o.M.

 

Eingangsfassade mit Skulptur
von Prof. Nikolaus Gerhard

 

Blick in das Foyer

 

Glashalle, Detail der Wand
zum Treppenhaus

 

Blick in Raum 2,
in der Mitte erkennbar die gotischen
Chorgstühlwangen aus dem Hohen Dom

 

Blick in Raum 2,
von der Galerie aus

 

Blick von Raum 2 in die Glashalle

weitere Abbildungen der Innenräume...

Rede Stefan Schrammel zur Einweihung des Diözesanmuseums St. Afra Augsburg am 3. Juli 2000

"...(ein) Bauwerk (ist)...ein zweifaches Wesen, bestehend aus einem Unsinnlichen: dem geistigen Kerne, der Seele, und einem Sinnlichen, dem Raum, der Plastik, der Farbe,... Jede Sonderung und Trennung (muß) müßte... zur Auflösung der Architektur führen: Seele ohne Gestalt verstanden, oder Gestalt ohne Seele gesehen, wären kein Bauwerk,..."i

Geradezu als Leitfaden unserer Planungen zum Diözesanmuseum St. Afra können diese Worte des Architekten Rudolf Schwarz stehen. Der nun fertige Bau will mehr sein als nur Gefäß für einen beliebig austauschbaren Inhalt, dies wäre für den Ort und die Exponate zu wenig.

Als wir 1983 mit der Planung für ein Diözesanmuseum beauftragt wurden, deutete nichts darauf hin, welchen Weg dieses Vorhaben nehmen würde. Monsignore Werner Schnell betreute von Beginn an das Konzept, die Planung und später den Bau. Zunächst bei St. Ulrich und Afra konzipiert, wurde der Standort am Dom 1989 festgelegt. Aber auch dann mußten Planung und Bau viele Höhen und Tiefen durchlaufen. Ich möchte Sie nicht mit der Vorgeschichte langeweilen, aber irgendwie wurde sie Bestandteil des Museums.

Ab 1990 wurde intensiv geplant, mit der Stadt und den zuständigen Behörden viel diskutiert, auch gestritten. 1993, nach schwierigen Arbeiten im Untergrund, war dann die Glashalle im Rohbau fertiggestellt. Nach der Fertigstellung des Rohbaus folgte 1994 eine mehrjährige Pause, bis dann 1997 die Arbeiten wieder aufgenommen wurden. Über diese Pause hinweg konnten alle Entscheidungen geprüft, überdacht und wenn nötig auch revidiert werden. Mit Melanie Thierbach stand uns ab diesem Zeitpunkt permanent in allen Belangen eine Museumleiterin zur Seite, die mit großer Kompetenz alle bisherigen Festlegungen prüfte. In rasanter Geschwindigkeit und mit viel Einfühlungsvermögen schneiderte sie ein Konzept auf die teilweise fertigen Räume, mit ihren unveränderbaren Vorgaben, und das nun geänderte Raumprogramm zu. Auch das Engagement des Museumsbeirates um Herrn Prof. Rummel muß hier erwähnt werden. Im Laufe der Monate wurden unzählige Varianten gemeinsam erarbeitet.

Finanzdirektor Dr. Kleindienst sagte einmal, "bei diesem Projekt gäbe es keinen Gedanken, der nicht gedacht wurde." Dies spiegelt treffend die Reifephase wieder, die dem Projekt sehr gut getan hat. Um das Ende an dieser Stelle gleich vorweg zu nehmen, das letztlich realisierte Konzept weicht abgesehen von der Verkleinerung des Raumprogramms kaum von den ersten Gedanken ab. Vielleicht auch eine Bestätigung ihrer Richtigkeit.

Der Reiz des Museums liegt in der Abfolge von Bauteilen aus mehr als 1000 Jahren. Jeder der fünf Räume hat seinen eigenen unverwechselbaren Charakter durch die Exponate und die Architektur erhalten. Den Auftakt bildet für den, vom Dom kommenden Besucher eine Skulptur von Nikolaus Gerhart, die sich vor die Gebäudeflucht schiebt und auf die von der Straße abgerückte Glashalle verweist. Die Glashalle wurde von Anfang an für das romanische Bronzeportal konzipiert und proportioniert: eine klares, kubisches Volumen, scheinbar eingeschoben in die vorhandenen Bauten. An ihrer Stelle befand sich einst ein kleiner Gartenhof, der durch das heute abgebrochene Kastenschreiberhaus begrenzt wurde. Die transparente Hülle vom Tageslicht durchflutet, ermöglicht auch heute die Erfahrbarkeit des Portales, gerade in der Nachtsituation. Unbehandelte, lebendige Putzoberflächen verleihen den Wänden einen textilen Charakter, lassen sie wie eine Membran erscheinen. Die Prismenglasdecke wird getragen von metallenen Stützen und Stahlunterzügen, die das Motiv des Portals wiederholen.

Bewußt herausgearbeitet wurde der Kontrast zum nächsten Raum, der ehemaligen Diözesanbibliothek, die über das Treppenhaus, mit der Hohenleitnermadonna als Blickfang, erreicht wird. Der in den 50er Jahren ausgebaute, zweigeschossige Raum mit seiner dreiseitig umlaufenden Galerie sollte so viel wie möglich an Architekturelementen behalten. Ein Spiel von innen und außen, mit interessanten Ein- und Ausblicken ist entstanden. Über einen niederen Flur wird der einst als Lager genutzte Raum 3 erreicht, dominiert von einer roten Rundwand, die das Hauptexponat, die Ulrichskaseln ausgrenzt und umschließt. Bereits beim Betreten des Raumes fällt der Blick auf die Funeralwaffen von Karl V. Der anschließende romanische Kapitelsaal mit seiner unvergleichlich kraftvollen Architektur ist als Schatzkammer inszeniert und sicherlich ein Höhepunkt des Museums. Moderne, schlichte Tischvitrinen, in ihrer Transparenz den Raumeindruck nicht störend, nehmen die Objekte auf. Über einen kleinen Verbindungsraum wird die Ulrichskapelle erreicht, in der neben der romanisch-gotischen Raumschale die archäologischen Funde zu sehen sind und über zwei Bodenöffnungen auch der Blick in den Untergrund möglich ist. Zurück über den Kreuzgang erreicht der Besucher wieder das Foyer.

Die große Schwierigkeit lag im Zusammenfügen der vielen Einzelteile, der Räume und der Exponate. Die Gestaltung der Räume ist deshalb bewußt zurückhaltend und einheitlich, nichts soll den Besucher ablenken. Es ging uns nicht darum Neues zu erproben, sondern vielmehr darum Bekanntes zu verfeinern, auch auf alte Techniken zurückzugreifen. Alles scheint vertraut und wirkt dennoch in der Zusammenstellung neu.

Danken möchte ich denjenigen, die den Bau ermöglicht haben. In vielen Gesprächen wurde in der Anfangsphase mit der Stadtverwaltung gerungen. Die zweite Bauphase dagegen war geprägt durch eine enge sehr positive Zusammenarbeit. Danken möchte ich auch Herrn Dr. Vollmar vom Landesamt für Denkmalpflege und der Unteren Denkmalschutzbehörde in Augsburg. Das Ingenieurbüro Giggenbach zeichnet für die Elektroplanung, das Bartenbach Lichtlabor für die Tages- und Kunstlichtplanung und das Ingenierubüro Oswald Silberhorn für die Heizungs- und Lüftungstechnik verantwortlich. Herr Reichert und Frau Kallmeier vom Büro Ay haben mit uns die Präsentation der Exponate vorgenommen und sich gerade in der Endphase intensiv der sehr gut gelungenen Graphik und Information angenommen. Ihnen allen und all denen die hier nicht genannt werden konnten, möchte ich herzlich danken.

Ein ganz besonderer Dank gilt meinem Vater und unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich bis zur Aufgabe jeglichen Privatlebens mit dem Bau identifiziert haben. Ab 1990 Herr Vermeulen, später haben Frau Ackermann, Frau Tauber und Herr Plankensteiner den Bau betreut.

Es war eine Freude zu sehen, daß die Bedeutung einer derartigen Bauaufgabe auch heute noch den meisten beauftragten Handwerkern vermittelt werden konnte. Daß die von uns geforderte hohe Ausführungsqualität auch erreicht wurde ist den Ausführenden zu danken. Nennen möchte ich stellvertretend nur einige Firmen: die Firma Horle und Böswillibald, Herrn Spatz und Herrn Hibbele, der fast in Chirurgenmanier letzte Wunden am Bau beseitigte, die Schreinerei Gottfried Mayr, Herrn Mayr und Herrn Büchler, der sich auch durch noch so späte Änderungen nicht aus der Ruhe bringen ließ, und die Restaurierungswerkstätte Hans Blöchl, Herrn Riedelberger mit seiner grenzenlosen Geduld bei der scheinbar nicht enden wollenden Arbeit des Kalkens der Gewölbe. Leider waren diese Firmen aber auch damit beschäftigt, die schlechte Qualiät einiger weniger anderer zu beseitigen, ein Problem der öffentlichen Submission. Schnell wird so in der Endphase die Arbeit von 10 Jahren zunichte gemacht.

Die vorgenommenen Baumaßnahmen haben den Bereich um den Dom verändert. Ganz im Sinn von John Ruskin, der zwei Pflichten zeitgenössischer Architektur sieht: "Die erste, die darin besteht, die Baukunst der Gegenwart "historisch" (nämlich "unsere (eigene) Zeit" ausdrückend) zu machen; die zweite, die (Baukunst) der Vergangenheit als die kostbarste aller Erbschaften zu erhalten."ii Bisher unzugängliche Räume und Objekte können nun öffentlich besichtigt werden. Eingriffe in die Substanz waren dazu nötig, die nicht ohne, auch manchmal schmerzliche Verluste geschehen konnten. Neues zu schaffen bedeutet eben auch immer Altes aufzugeben. Dennoch liegt genau darin auch eine große Chance, die alle Epochen wahrgenommen haben.

Die Realisierung des Dialoges zwischen Inhalt und Gefäß, sein Fassen in Form und Farbe hat allen Beteiligten und uns Architekten viel Freude bereitet und Neues erschlossen. Wir hoffen, daß das im Ergebnis spürbar ist, es ist sicherlich nicht das "soundsovieltste"iii Museum in Augsburg entstanden. Für die Möglichkeit, die Hülle für die kostbaren Exponate schaffen zu dürfen, gilt dem Bauherren unser herzlichster Dank. Mit großer Kompetenz haben Herr Diözesanbaurat Köhler und Herr Rößle die Maßnahme begleitet und Hilfestellung geleistet. Der enge und intensive Austausch mit Frau Thierbach förderte das Miteinander von Objekt und Umgebung. Gerade in der mehr als hektischen Endphase war immer noch Platz um über den Ort des einzelnen Exponates zu diskutieren, Veränderungen vorzunehmen, Situationen zu verbessern. Bis in die letzten Stunden hinein wurde von allen Seiten an ihr gezogen. Daß die Situation nicht entglitten ist, ist auch manchem deutlichen Wort zu verdanken. Das identische Verständnis der Bauaufgabe und dieselbe gestalterische Grundhaltung aller Beteiligten ist auch im Ergebnis ablesbar.

Zuletzt und ganz besonders gilt mein Dank, Ihnen, Hwst. Herr Weihbischof Grünwald und Ihnen, Hwst. Herr Bischofsvikar Dr. Kleindienst, ohne Ihre Vision wäre das Werk wohl kaum gelungen. Zuletzt fast jeden Tag, wenn es Ihre Zeit erlaubte, haben Sie sich selbst über den Baufortschritt informiert und standen jederzeit für Fragen und noch viel wichtiger für spontane Entscheidungen zur Verfügung. Danken möchte ich Ihnen auch für den Respekt und das Verständnis, das Sie uns immer entgegengebracht haben - heute keineswegs selbstverständlich.

Nicht oft konnte ich während meiner bisherigen Berufszeit, die übrigens von Anfang an vom Diözesanmuseum begleitet wurde, bei einer Einweihung sagen, daß ich mit dem Werk zufrieden bin, daß keine Kompromisse das Ergebnis beeinträchtigen. Daher fällt es mir auch etwas schwer, den Schlüssel nun aus der Hand zu geben. Der bedeutende amerikanische Architekt Robert Venturi sagte einmal, er sei nicht in, sondern er sei gutiv. Dieses Zitat möchte ich auf das Museum beziehen und wünsche mir, daß es nicht "in" ist - denn das bedeutet, daß es sehr schnell "out" sein wird - ,sondern daß es sich über die Jahre oder Jahrzehnte bewähren und vielen Besuchern Freude bereiten wird. Es ist mir eine Ehre, nun Ihnen, Herr Finanzdirektor Dr. Kleindienst symbolisch den Schlüssel zum Museum übergeben zu dürfen

 

i Rudolf Schwarz, Vom betenden Raum. Eine Grundlegung heiliger Baukunst, in: Thomas Hasler, Architektur als Ausdruck - Rudolf Schwarz, Berlin 2000, S. 273.

ii John Ruskin, Die sieben Leuchter der Baukunst, Hrsg. von Wolfgang Kemp, Dortmund 1994, S.3353.

iii Elisabeth Emmerich, Mit Afra Kunst sehen, S. 16.

iv Robert Venturi, Iconography and Electronics upon a generic Architecture, Cambridge, 1996, S.301. [SS1]

 


 

ausgewählte Literatur zum Museum:

Peter Rummel (Hrsg.)
Das Diözesanmuseum St. Afra in Augsburg
Augsburg, 2000

In vier Kapiteln wird auf die Entstehungsgeschichte, den Bau und das Museumskonzept eingegangen. Ein eigener Beitrag behandelt die archäologischen Ausgrabungen im Museumsbereich.

erhältlich über das Diözesanmuseum


Siehe auch "Gut gewürfelt" in der Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 17. Mai 2001, Nummer 114, Seite 55

 


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