Umgestaltung
des Domplatzes

 

Die Neukonzeption 2000

Die vorgelegte Planung untersucht Domplatz und Fronhof entsprechend der für die unmittelbar anschließende Kaisermeile entwickelten Prinzipien. Ziel der Planung ist die Stärkung des Domumfeldes durch Verknüpfung seiner im heutigen Zustand städtebaulich isolierten Teilräume. Durch Herstellen historischer Blickbeziehungen und Neuordnung der Wegeführung kann eine gestalterische Aufwertung erfolgen. Diese wird begleitet von einer wissenschaftlich überarbeiteten Präsentation der archäologischen Fundstücke an der sogenannten Römermauer.

Zur Herstellung der gesuchten Blickbeziehungen wird die Mauer teilweise niedergelegt. Damit öffnet sich einerseits der Domplatz in den Fronhof auf den Achsen der Verbindungswege und bleibt doch als eigenständiger Raum spürbar. Unterstützt wird dieser Eindruck durch eine Rücknahme der dichten Unterholzstrukturen im Fronhof. Die Wegeführung ist dort den Blickrichtungen entsprechend neu definiert.

Ausstellungstechnisch lässt sich eine Gliederung der “Römermauer” in das durch die Archäologie vorgeschlagene Konzept vier einzelner “Themeninseln” einbinden. Ausgehend von der Peutingerstraße kann ein Weg entlang der bestehenden Ausstellungswand mit den Themen Grabdenkmäler und Götterverehrung, durch die Wand hindurch bis zum Westchor des Domes mit den Inseln Architekturfragmente bzw. Ehren- und Kaiserinschriften entwickelt werden. Mosaikpflasterung der Standflächen, Ausbildung eines zurückhaltenden Sockeldetails, didaktische Beschilderung sowie die entsprechende Beleuchtung werten die Präsentation der nahezu vollständig als Kopien vorhandenen Fundstücke gegenüber der heutigen Situation auf.

Bautechnisch sowie denkmalpflegerisch sollte die bestehende “Römermauer” neu bewertet werden. Das bestehende Betondach konnte den Witterungsschutz der ursprünglich als Originale ausgestellten Spolien nicht sicherstellen. Darüber hinaus wird die plastische Wirkung der Funde durch eine unzureichende Lichtführung unter der massiven Bedachung beeinträchtigt. Die Aufstellung neuerer Funde führte zu einer Verdichtung der Standorte, die der originalen Konzeption nicht mehr angemessen ist. Die städtebauliche Konzeption einer nahezu vollständigen Trennung von Domplatz und Fronhof führte zu einer Abwertung der Parkanlage zwischen dem Westchor des Doms und der ehemaligen Fürstbischöflichen Residenz.

 

 

 

Domvorplatz Richtung Westen,
Skizze 

 

Bestand Domvorplatz
in Richtung Westen

 

Die Reihe vier eigenständiger Themeninseln stellt den lockeren Verbund zwischen Domvorplatz und Fronhof, sowie von Peutingerstraße und Kornhausgasse her. Die städtebauliche Struktur der historischen, platzbildenden Bausubstanz kann durch den mächtigen Baumbestand hindurch in die Freiflächen hineinwirken. Das eingestellte Betondach riegelt jedoch auch gegen diese Konturen ab. Im besonderen gilt dies für die Sichtbeziehung vom Hohen Weg kommend über den Domvorplatz in den Fronhof. Der Blick wird am Friedensdenkmal vorbei bis auf die prachtvolle Architektur der Fronhofbebauung geführt.

Um diese Ansicht im Vordergrund zu verbessern, wird das Heckenportal zurückgenommen.

 

 

Lageplan o.M. 

 

 

Die Lösung der römischen Fundstücke aus der derzeitigen frontalen und linearen Präsentation bietet einen besseren Zugang zu den einzelnen Objekten. So kann sich der Viergötterstein bei entsprechender Aufstellung nach allen Seiten entfalten. Mit der Anlage einer Themeninsel vor und hinter der Ausstellungsmauer wird der Durchgang vom Domvorplatz in den Fronhof begleitet.

Die Attraktivierung der rückwärtigen Seite der “Römermauer” wird durch die Verlegung des von der Peutingerstrasse in Richtung Kornhausgasse führenden Fußweges unterstrichen. Heute trennt dieser Weg die Rasenflächen in Restflächen. Großzügiges Grün kann entstehen, wenn der Fußgänger unmittelbar an der Mauer in den Park geführt wird.

Die weitere Wegeführung der Parkanlage im Fronhof wird in der Planung ebenfalls modifiziert. So bleibt das Friedensdenkmal von 1876 zwar baulich unberührt, doch streichen die Parkwege an dem Monument vorbei. Die Ausrichtung dieser Wege entspricht der Fortsetzung der baulichen Anlagen auf dem Domvorplatz. Durch Ausdünnung der Gehölzstrukturen schafft die Verzahnung der Freiflächen die gewünschten Blickbeziehungen zwischen Domvorplatz und Fronhof.

Die Parkanlage wird durch einen historischen Verbindungsweg vom Ehemaligen Burggrafenturm in Richtung Kornhausgasse geteilt. Um diesen Weg stärker zu gewichten wird vorgeschlagen, ihn zu verbreitern und entsprechend mit Sitzgelegenheiten auszustatten. Von ihm aus kann der Park bis in den Domvorplatz hinein überblickt werden.

Vor dem Residenzgebäude, der heutigen Regierung von Schwaben, wird die Fläche im Sockelbereich ausgepflastert. Der dem Park zugewandte Teil der Wege wird wie die übrigen Parkwege wassergebunden angelegt. Der Parkplatz vor dem Nordflügel wird entsiegelt und durch Rasenpflaster befestigt. Die Zufahrt zum bischöflichen Ordinariat wird als Pflasterstraße ausgebildet.

Die bestehende Wegeverbindung durch das Prunkgitter der Schüleschen Kattunfabrik wurde zugunsten einer raumbildenden Vorpflanzung verändert. Eine Verlegung des auffälligen Hydranten in der Rasenmitte ist zu untersuchen.

Mit Neuanlage der Parkwege wird die Öffnung der Durchblicke auf die Bebauung angestrebt. Neben der Entfernung einzelner Bäume sind davon maßgeblich die Untergehölze betroffen. Das Friedensdenkmal wird teilweise freigestellt. Der heute stark verschattete Kinderspielplatz wird neu organisiert. Gegenüber der angrenzenden Verkehrsfläche wird der Park durch Hecken abgeschirmt. Ergänzt werden die in Fortsetzung der Anlagen auf dem Domplatz durchmischten Strukturen durch blühende Strauchgruppen.

Besondere Bedeutung kommt den Gehölzen unmittelbar in Front der Residenzfassade mit dem Ehrenbalkon von Ignaz Ingerl zu. Die Fassade freizustellen ist vorrangig anzustreben. Um Ersatz für die als Stiftung gepflanzte Zeder auf der Nordseite des Portals zu schaffen, soll ein angemessener Standort zur Neupflanzung des inzwischen stark asymmetrisch gewachsenen Baumes gefunden werden.

Zusammenfassung

Mit überschaubaren Maßnahmen kann die gewünschte Tranparenz und Offenheit erreicht werden. Den Schlüssel zu einer Veränderung des gesamten Platzes stellt eine Veränderung der "Römermauer" dar. Die ursprünglich angedachte völlige Entfernung ist nicht erforderlich, eine Rücknahme ihrer Länge und die Schaffung von Durchblicken genügen, um die angestrebten Blickachsen herzustellen.

Ein Stück weit bleibt so auch der Charakter der "Römermauer" spürbar. Die beiden heute getrennten Platzbereiche werden so im Zusammenhang erlebbar. Dabei muss auf keine der heute vorhandenen Nutzungen verzichtet werden. Breite Wege mit ausreichend Sitzgelegenheiten und der in neuer Form angeordnete Spielplatz schaffen eine hohe Aufenthaltsqualität. Der wertvolle Baumbestand bleibt erhalten, zusätzliche Standorte für nachwachsende Bäume können überlegt werden.

Durch die Entfernung der Buschpflanzungen erhält der Raum seine einstige Großzügigkeit, die Solitäre wirken stärker, die Vermeidung uneinsehbarer Winkel schafft Behaglichkeit. Die zusammenhängende Wiesenfläche kann besser für Veranstaltungen genutzt werden. Eine Anhebung der Wegebeleuchtung und die Anleuchtung des Domes, sowie der Denkmäler unterstützt das Sicherheitsempfinden.

 

 


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