Wieselhaus

1198/2002
Wieselhaus im Domgarten, Augsburg
Umbau und Sanierung eines denkmalgeschützten Gebäudes

Südansicht

Identität

Über Jahrhunderte hinweg hat das Wieselhaus trotz massiver Eingriffe seinen einzigartigen Charakter bis heute bewahrt. Im Domviertel, in der südöstlichen Ecke des Klostergartens der Benediktinerabtei St. Stephan, befindet sich das seit einigen Jahren leer stehende Gebäude. Für Augsburg einzigartige Arkadenstrukturen prägen den Charakter und machen unter anderem den besonderen historischen Wert aus. Die trotz Zumauerung noch erkennbaren, in drei Etagen angelegten Arkadengänge weisen auf direkte Einflüsse der italienischen Renaissance hin. Das 2. OG wird beherrscht von einem nach Süden und Westen schauenden Saal von etwa 6,50 x 7,50 m, dem nach Norden und Osten eine Säulenloggia vorgelegt ist, mit Blick zum Garten und weit nach Osten über die nahe Stadtmauer hinweg ins Lechtal. Die leicht beschwingte Bogenführung verrät wohl Einflüsse der florentinischen Renaissance.

Mehrfach wurden schon Versuche unternommen, die Geschichte des Hauses zu ergründen. Insbesondere der Rekonstruktionsversuch von Robert Pfaud (siehe unten) liefert einen wichtigen Beitrag. Mit Sicherheit geht die Erbauung in das 16. Jahrhundert zurück, bereits im Rogelplan von 1563 ist das Haus zu erkennen.

Die vorliegende Konzeptstudie basiert auf den in den letzten Jahren gewonnenen Erkenntnissen. Im Sommer 2006 wurden intensive statische Untersuchungen vorgenommen, die ein schonendes Sanierungskonzept unter Würdigung der wertvollen Substanz erarbeiten ließen. Die parallel durchgeführte Befunduntersuchung lieferte zusätzliche Erkenntnisse, die in der erstellten Konzeptstudie mitberücksichtigt wurden. Ein Ergebnis ist für die Einschätzung der Gebäudestruktur besonders wichtig: Die Haupttragwände an der Ost- und Nordseite sind nicht etwa die Außenwände, sondern der innen liegende Raumabschluss des Arkadenganges. Eine erneute Öffnung der Arkaden ist daher sowohl unter konstruktiv-statischen, als auch wirtschaftlichen Gesichtspunkten möglich und für die Wahrnehmbarkeit der historischen Motive wünschenswert.

Ostansicht, Querschnitt

 

Zukünftige Nutzung – Die Fugger und Welser im Wieselhaus Augsburg

Unter diesem Titel ließ die Regio Augsburg Tourismus GmbH ein Konzept erarbeiten, wie hier die Welt der Fugger und Welser, die Zeit der Renaissance, in der Augsburg seine Hochblüte erlebte, dargestellt werden kann. In den einzelnen Geschossen werden verschiedene Themen, vom Bergbau bis hin zu den Familiengeschichten der Fugger und Welser erläutert. Netzwerke in Wirtschaft und Politik werden ebenso nachvollziehbar und lebendig wie das tägliche Leben der Zeit.

Im Wieselhaus besteht die einzigartige Möglichkeit, eine Synthese von Inhalt und Raum herzustellen, die Welt der Fugger und Welser in einem Gebäude ihrer Zeit lebendig werden zu lassen. Das gewünschte Raumprogramm lässt sich in vollem Umfang realisieren; die notwendigen Eingriffe in die historische Substanz können auf ein Minimum reduziert werden.

Grundrisse

Lageplan

 

Fotos vom Ablauf der Bauarbeiten (Stand Herbst 2011)

Blick auf das Wieselhaus

Blick auf das Wieselhaus während der Bauzeit

Blick durch die Arkaden des Obergeschoßes ind Freie

Blick durch die Arkaden des Obergeschoßes ins Freie

behutsamer Austausch zerstörter Hölzer im Dachstuhl

behutsamer Austausch zerstörter Hölzer im Dachstuhl

Ausgrabungsarbeiten im Bereich des neuen Aufzugs

Ausgrabungsarbeiten im Bereich des neuen Aufzugs

Funde bei Ausgrabungen und Freilegungen im Wieselhaus

Ein Teil der Funde bei Ausgrabungen und Freilegungen im Wieselhaus

statische Ertüchtigung der Geschoßdecke

statische Ertüchtigungsmaßnahmen der Geschoßdecke

fertiggestellte neue Dachfläche

Neue Dachfläche (fertiggestellt)

Wiederherstellung historischer Fensteröffnungen: vorher

Wiederherstellung historischer Fensteröffnungen: nachher

Wiederherstellung historischer Fensteröffnungen: vorher und nachher

Öffnung der zugemauerten Arkaden im EG

Öffnung der zugemauerten Arkaden im EG

Öffnung der zugemauerten Arkaden im 1.OG

Öffnung der zugemauerten Arkaden im ersten Obergeschoß

freigelegte Arkadensäule im 2.OG

Freigelegte Arkadensäule im zweiten Obergeschoß